Lebensrettung durch beherzte Reanimation

Der 17.12.2019 sollte für WERDER BREMEN und Axel W. aus Q. ein denkwürdiger Tag werden. Mit Mainz 05 war ein besiegbarer Gegner ins Weser Stadion gekommen, doch WERDER ging mit 0:5 baden. Beherzte Umstellungen im Spielaufbau und offensive Einwechslungen des Trainers zeigten keine Wirkung – jede versuchte Rettung blieb erfolglos. Zeitgleich fanden vor den Eingangstoren des Stadions Erste-Hilfe-Maßnahmen statt, die ein Menschenleben retteten. 

Axel W. war wie zu jeden Heimspiel mit seinem Freund zum Stadion unterwegs, um seinen Herzensclub WERDER BREMEN zu unterstützen. Treue Fans seit über 25 Jahren. Doch an diesem Tag sollten sie das Stadion von innen nicht zu Gesicht bekommen. Axel W. erlitt direkt vor dem Weser Stadion einen Herzinfarkt und brach bewusstlos zusammen.

Rückblickend weiß er, dass er die Anzeichen in den Wochen zuvor nicht ernst genommen hat. Wiederkehrende leichte Atemnot und ein Engegefühl in der Brust erklärte er sich und anderen mit zu viel Gartenarbeit oder Renovierungsarbeiten im Haus.

Seine Lebensrettung war sein Freund, der als Intensivpfleger tätig ist. Dieser hatte die Situation schnell richtig einschätzt und sofort mit der Herzdruckmassage begonnen. Die eintreffenden Notärzte übernahmen die weiteren Schritte und Axel W. wurde in die Kardiologie des Klinikums Links der Weser eingeliefert.

Die kommenden Spiele verfolgte Axel W. im Radio. Auch dies war aufregend genug für ihn und er erhielt bereits während des Klinikaufenthalts sowie in der anschließenden Reha hilfreiche Tipps für ein herzgesundes Verhalten. Wenn er heute ins Stadion geht weiß er sich zu helfen. „Lieber mal die Tribüne verlassen und mit der Getränkeverkäuferin übers Wetter reden – statt mit aufgeregten Fans über den Schiedsrichter zu schimpfen“ „Oder im Extremfall das Stadion verlassen und einen Spaziergang an der Weser machen“, rät er. WERDER ist eben nur die zweitschönste Sache der Welt.

Fußball kann also Herzpatient*innen gefährlich werden. Warum eigentlich?
„In Deutschland sind Millionen Menschen von einer koronaren Herzkrankheit (KHK) betroffen, die mit einer Einengung der Herzkranzgefäße einhergeht“, so Prof. Hambrecht. „Ein Mensch mit einem gesunden Herzen wird allein durch die Aufregung beim Fußball keinen Herzinfarkt erleiden. Gefährlich ist es für Menschen, die bereits unter vorgeschädigten Gefäßwänden leiden. Durch einen Anstieg des Blutdrucks kann es zu kleinen Einrissen kommen. An diesen Rissen bilden sich Blutgerinnsel, die wiederum zur Verengung und/oder Verstopfung der Herzkranzgefäße führen können. Dadurch wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt“.

„Bei Ereignissen mit sehr hoher Spannung und Aufregung kommt es zusätzlich zur Ausschüttung von Stresshormonen. In der Summe der Ereignisse, sind Herzrhythmusstörungen oder sogar Herzinfarkte möglich“, erklärt Prof. Hambrecht. 

Die kleinen Veränderungen im Lebensstil, die Axel W. beschreibt zeigen Wirkung. Sein Kardiologe ist „vollauf mit ihm zufrieden“ und er „erfreut sich nun mit 62 Jahren einer guten Gesundheit“. Weitere Empfehlungen seines Arztes nimmt er sehr ernst. So hält er sich mit dem Alkohol deutlich zurück und isst vor dem Spiel keine üppigen Mahlzeiten mehr. Auch hat er sich an den Sportlern ein Vorbild genommen und mit dem Ausdauertraining begonnen. Lange Spaziergänge und Wege ins Fitness-Studio gehören zu seinem Alltag. Denn er weiß, dass mangelnde Bewegung zu den größten Risikofaktoren für eine Herzerkrankung zählt.

Früher war er ein passiver Fan – heute ist er ein aktiver Sportler. „Sobald Corona es wieder zulässt, Heimspiele im Stadion anzusehen, bin ich vor Ort“, berichtet er. „Allerdings nie ohne meinen lebensrettenden Freund“.

Nicht nur seinen Herzensclub unterstützt er, auch die Stiftung Bremer Herzen durfte sich über eine Spende freuen. „Ich möchte etwas Gutes von dem, was mir passiert ist zurückgeben“. Dafür gilt ihm unser herzlicher Dank! 

Wir werden die Spende einsetzten um die Durchführung der Reanimationsschulungen auszubauen. Ziel der Stiftung ist es unter anderem, durch Kurse in Schulen und Unternehmen Ängste abzubauen, damit Ersthelfer*innen im Notfall aktiv werden und Leben retten. Denn nach wie vor gilt: Man kann nichts falsch machen – außer gar nicht zu helfen!