Wie sich Energy-Drinks wirklich auf den Körper und das Herz auswirken

Für die Prävention in jungen Jahren gibt es bereits viele Ansätze und Angebote. Entwöhnungskurse für Raucher*innen, E-Zigarette, Alkohol, Drogen oder Spielsucht sind einige davon. Eine bislang unterschätzte und äußerst verbreitete Konsum-„Droge“ sind Energy-Drinks. Studien zufolge können bei übermäßigem Verzehr dieser beliebten Getränke schwerwiegende gesundheitliche Schäden auftreten (*). Langzeitfolgen sind bislang nicht beurteilbar. Es zeigt sich aber, dass sowohl bei Erwachsenen als auch im Kindes- und Jugendalter Symptome wie Herz-Kreislauf-Störungen, Übergewicht, schwere Übelkeit, Angstzustände und Krampfanfälle auftreten.

Doch warum sind diese Drinks so beliebt und wodurch sind sie salonfähig geworden? In den achtziger Jahren wurden Energy-Drinks gezielt eingesetzt. Australische Athlet*innen tranken sie während ihrer Vorbereitung auf Wettkämpfe und bauten sie bewusst in ihre Trainingspläne ein. Eine Wirkung, die derzeit gewünscht wurde und heute diskutiert wird, ist eine Veränderung des EKGs, (Verlängerung des QT-Intervalls) die zu bedenklichen Herz-Rhythmus-Störungen führen kann. Im Vergleich zu gängigen Getränken mit gleichem Koffeingehalt wirken sich Energy-Drinks stärker auf Blutdruck und Herzrhythmus aus. Studienergebnisse legten mitunter offen, dass die Blutdruckwerte der Probanden auch sechs Stunden nach Konsum eines Energy-Drinks erhöht waren.

Vom gezielten Einsatz kleinerer Trinkmengen ist der Tageskonsum der Kinder und Jugendlichen mittlerweile weit entfernt. Eine Befragung in 16 EU-Mitgliedstaaten ergab, dass 12 % der Kinder und Jugendlichen mindestens einen Liter pro Tag trinken – je nach Aktivität und Angebot sogar noch mehr. Besonders in Verbindung mit Sport oder dem Genuss von Alkohol werden diese Mengen unbedacht und ohne Risikobewusstsein zugeführt. „Studien weisen darauf hin, dass der übermäßige Konsum von Energy-Drinks bei Kindern und Jugendlichen, aufgrund des geringeren Körpergewichts, zu schwereren Folgen führen kann als bei Erwachsenen“, so Jurgita Lipske, Ernährungswissenschaftlerin der STIFTUNG BREMER HERZEN. „ Die Zusammensetzung von Inhaltsstoffen wie Koffein, Zucker und Taurin in hoher Konzentration kann zu Nebenwirkungen wie Kreislaufbeschwerden und Zittern führen. Die gewünschte Wirkung zur Steigerung von Konzentration und Wachheit äußert sich bei übermäßigem Verzehr eher kontraproduktiv, denn nachweislich werden dadurch Störungen in der Konzentration und Aufnahmefähigkeit deutlich“, so die Ökotrophologin weiter.

Gemäß der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind für Erwachsene Koffein-Einzeldosen von bis zu drei mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht, also etwa 200 mg gesundheitlich noch unbedenklich. Über den Tag verteilt gelten 5.7 mg pro Kilogramm Körpergewicht noch als unschädlich –also etwa 400 mg. Kinder und Jugendliche sollten laut EFSA generell nicht mehr als insgesamt drei mg Koffein pro Körpergewicht pro Tag aufnehmen. Ein Energy-Drink in üblicher Darreichungsform von 330 ml erhält durchschnittlich 100 mg Koffein. Damit überschreiten Kinder und Jugendliche bereits mit einem Energy-Drink ihre empfohlene Tagesdosis.

Kinder und Jugendliche schätzen diese Auswirkungen bislang als „total ungefährlich“ ein und verfügen, aufgrund mangelnder Aufklärung, bislang über wenig oder kein Risikobewusstsein. Die Drinks sind das Pausengetränk Nummer eins in den Schulen. Doch was genau macht den Energy-Drink für Kinder und Jugendlichen so reizvoll? Viel Zucker und schnelle Energie oder die wachhaltende  Wirkung? Für die 12 – 13-jährigen Schüler*innen, die die STIFTUNG BREMER HERZEN während ihrer Aktionstage „HERZ MACHT SCHULE“ informiert und über Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufklärt, zählen diese Aspekte scheinbar nicht. Für sie ist es „der gute Geschmack“ und „die coole Form der Dose“.

Namhafte Hersteller der Energy-Drinks warnen Kinder, schwangere sowie stillende Frauen vor dem Verzehr. Ein geplantes Abgabeverbot für Kinder unter 16 Jahren wird auf politischer Ebene diskutiert, jedoch sind gesetzliche Veränderungen in naher Zukunft bislang nicht zu erwarten. Durch eine Neuregelung würde die Chance bestehen, sowohl die Risikobewertung wie auch die Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen zu verbessern.

Für die Pause sollten sich Schülerinnen und Schüler daher unbedingt eine herzgesunde Alternative überlegen. Und auch Arbeitgeber sollten über kostenlose Energy-Drinks in Aufenthalts- und Pausenräumen nachdenken. Flügel wachsen bekanntlich nicht.

Wichtige Tipps im Umgang mit Energy-Drinks sind laut des American College of Sports Medicine: (**)

  • Energy-Drinks sollten nie von Kindern, Jugendlichen, schwangeren/stillenden Frauen, Menschen mit Herz-Kreislauf Problemen konsumiert werden. Auch Menschen, die empfindlich auf Koffein reagieren, sollen lieber auf Energydrinks verzichten.
  • Energy-Drinks sollten niemals zum Durstlöschen verwendet werden.
  • Energy-Drinks sollten niemals vor, während oder nach anstrengenden Tätigkeiten verwendet werden (einige Todesfälle wurden beobachtet!).
  • Energy-Drinks sollten niemals mit Alkohol gemischt und getrunken werden.
  • Energy-Drinks enthalten sehr oft hohe Mengen an Kohlenhydraten und Kalorien, die zu Fettleibigkeit führen können.
  • Energy-Drinks sollten niemals vor dem Schlafengehen konsumiert werden (6 Stunden vor dem Schlaf!).
  • Die Aufklärung über Energy-Drinks und ihre unerwünschten Nebenwirkungen sollte an Schulen und Universitäten gefördert werden.

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Petrelli, F., Grappasonni I., Evangelista, D. et. al. Mental and physical effects of energy drinks consumption in an italian young group: a pilot study. Journal of Preventive Medicine and Hygiene. 2018; 59: E80-E87

Nowak, D., Goslinski, M., Nowatkowska, K. The effect of acute consumption of energy drinks on blood pressure, heart rate and blood glucose in the group of young adults. International Journal of Environmental Research und Public Health. 2018; 15, 544

Robinson, M., Jacoby, P., Oddy, W., H. Energy drink consumption is associated with anxiety in australian young adult males. Depression and Anxiety. 2014; 31:420-428

Ehlers, A., Marakis, G., Lampen, A., Hirsch-Ernst, K. Risk assessment of energy drinks with focus on cardiovascular parameters and energy drink consumption  in Europe. Journal Food and Chemical Toxicology. 2019; 130:109-121

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Higgins, J., Babu, K., Deuster, P., A.,  Shearer, J.  Energy drinks: a contemporary issues paper. Current Sports Medicine Reports.. 2018; 17: 65-72