Herztage der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Berlin

Prof. Dr. Rainer Hambrecht Tagungspräsident

Vom 10.-12. Oktober 2019 richtete die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie ihre Herztage in der Landeshauptstadt Berlin aus. Auf dem jährlich stattfindenden Kongress tauschten sich Kardiologen über neuste medizinische Erkenntnisse und Ergebnisse aus der Wissenschaft und Forschung aus. Einer der großen Schwerpunkte war in diesem Jahr das Thema Prävention. Als diesjähriger Tagungspräsident begrüßte Prof. Dr. Hambrecht, Chefarzt der Kardiologie, Klinikum Links der Weser und Vorsitzender der Stiftung Bremer Herzen, mehr als 3500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Prof. Hambrecht betonte in seiner Eröffnungsrede, dass Prävention die Basis jeglicher Herzmedizin ist und noch viel zu oft in den Hintergrund gestellt wird. „Trotz allgemeiner Fortschritte in der Prävention, besteht weiterhin deutlicher Handlungsbedarf in der Umsetzung vorbeugender Maßnahmen, um den stetigen Anstieg von Personen mit Adipositas, körperlicher Inaktivität und Diabetes mellitus aufzuhalten“.

Auf Initiative von Prof. Hambrecht und Prof. Wienbergen, Leiter des Bremer Instituts für Herz- Kreislaufforschung, wurde im Rahmen der Herztage erstmals ein Präventionskurs für Ärzte angeboten. Dieser Kurs ist die Grundlage für eine neue Sachkunde „Spezielle kardiovaskuläre Prävention“. Die Sachkunde gibt Ärztinnen und Ärzten Werkzeuge an die Hand, um ihre Patient*innen auf dem Weg zu einem herzgesünderen Leben zu unterstützen. Die nächsten Kurse im Rahmen dieser Sachkunde werden am Klinikum Links der Weser in Bremen stattfinden.  

Neben der gezielten Aufklärung über Risikofaktoren wird es in Zukunft Präventionsmodelle geben, die von Herzpatienten genutzt werden und ihr Verhalten beeinflussen könnten. Über diese Modelle wurde im Rahmen der Herztage informiert und kontrovers diskutiert. In wissenschaftlichen Ergebnissen zeigt sich, dass neben telemedizinischen Komponenten, Gesundheits-Apps und Medikamentenschulungen eine langfristige enge Betreuung von Patienten wichtig ist. Werden Menschen nach Herzinfarkt durch speziell ausgebildete Präventionsassistent*innen begleitet, erzielen sie langfristig bessere Ergebnisse, als durch die bisherige Standardversorgung. Wie wichtig in diesem Bereich die Vorsorge ist, wurde im Rahmen einer IPP-Studie (Intensives Präventions-Programm nach akutem Myokardinfarkt in Nordwest-Deutschland) gezeigt und bei den Herztagen in Berlin von Prof. Wienbergen präsentiert. In dieser Studie wurde bewiesen, dass Patienten, die alle zwei bis vier Wochen von den Präventionsassistenten kontaktiert und zu ihrer derzeitigen Symptomatik beratend unterstützt wurden, auch nach einem Jahr bessere Erfolge bei den Risikofaktoren erzielten. Im Gegensatz dazu wurden bei den Standardpatienten festgestellt, dass keine Betreuung oder Begleitung zu einer erheblichen Verschlechterung ihrer Risikofaktoren führte.
Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen am Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung werden permanent durch Fortbildungen im Bereich Forschung und medizinisches Fachwissen zur Präventionsassistenten ausgebildet. Neben der medizinischen Betreuung bieten sie Patient*innen nach einer Herz- und Kreislauf-Erkrankung eine seelische Unterstützung, die zusätzlich zur Genesung beiträgt.

„Wir haben mit der IPP-Studie bereits wissenschaftlich bewiesen, wie ein nachhaltiges Präventionsmodell aussehen kann. Jetzt muss es Schritt für Schritt in die Praxis umgesetzt werden“, so Prof. Hambrecht. „Eine besondere Herausforderung sehen wir dabei noch in der Einführung einer Vergütungsstruktur. Bislang werden präventive Beratungsgespräche bei Kardiologen nicht durch die Krankenkassen vergütet. Diese Versorgungslücken müssen zeitnah geschlossen werden“.

Insgesamt war die Kardiologie des Klinikums Links der Weser mit 17 Beiträgen zu Wissenschaft und Forschung auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vertreten, was zu den Spitzenwerten zählte.

„Wir freuen uns, durch die erfolgreiche Tagung eine hohe Sichtbarkeit der Bremer Kardiologie erreicht zu haben. Wir konnten somit, die uns wichtigen Themen einem großen und interessierten Fachpublikum vermitteln“, so Prof. Hambrecht zum Abschluss des Kongresses.

Quelle: Fotos der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie