Britische Zuckersteuer zeigt Wirkung

Ab 6. April 2018 müssen Getränkehersteller in Großbritannien eine Abgabe auf Softdrinks mit hohem Zuckergehalt zahlen. Bei 5 g oder mehr Zucker pro 100 ml werden 18 Pence (ca. 20 Cent) pro Liter erhoben; ab 8 g Zucker steigt die Abgabe noch weiter. Damit wollen die Briten der rasanten Verbreitung von Übergewicht, Fettleibigkeit (Adipositas) und Diabetes mellitus entgegenwirken.

Seit Ankündigung der Steuer im März 2016 haben bereits mehrere Firmen die Rezeptur ihrer Getränke angepasst und den Zuckergehalt gesenkt. So reduzierte der Coca-Cola-Konzern in Großbritannien schon vor dem Stichtag den Zuckergehalt von Fanta von 6,9 g auf 4,6 g und von Sprite von 6,6 g auf 3,3 g pro 100 ml. Zum Vergleich: In Deutschland sind es jeweils rund 9 g Zucker – das entspricht 3 Zuckerwürfeln.

„Die Britische Zuckersteuer zeigt, dass Herstellerabgaben zum Umdenken der Konzerne und einer drastischen Zuckerreduktion führen können“, sagt Prof. Dr. Rainer Hambrecht, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Bremer Herzen und Sprecher der Projektgruppe Prävention der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. „Und das ist zu begrüßen, denn der übermäßige Konsum von zuckerhaltigen Getränken fördert nachweislich die Entstehung von Diabetes mellitus, Übergewicht und Adipositas bei Kindern wie auch Erwachsenen und erhöht damit das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät seit 2016 allen Regierungen, zuckerhaltige Getränke mit Sondersteuern zu belegen. Mindestens 20 Prozent sollten es laut der WHO sein. Neben Großbritannien haben bereits Länder wie Frankreich, Finnland, Ungarn oder Mexiko eine derartige Zuckersteuer eingeführt. In Mexiko ist der Verkauf von zuckerhaltigen Getränken im ersten Jahr nach Einführung der Steuer um 5,5 % und um zweiten Jahr sogar um 9,7 % gesunken.

 

Weniger Übergewichtige durch „gesunde“ Mehrwertsteuer auch in Deutschland möglich

Aktuelle Studien belegen, dass Menschen mit Übergewicht und Adipositas um ein Vielfaches häufiger an Herzproblemen leiden als Normalgewichtige. Bei übergewichtigen Menschen ist das Risiko für Herzkrankheiten doppelt so hoch, bei schwer übergewichtigen sogar um bis zu 15-fach höher. In Deutschland sind rund 59 % der Männer und 37 % der Frauen übergewichtig und etwa jeder vierte Erwachsene ist fettleibig.

Gesundheitsexperten diskutieren daher schon lange Maßnahmen, um der Adipositas-Epidemie Einhalt zu gebieten. Denkbar ist eine „gesunde“ Mehrwertsteuer, die eine Steuererhöhung für salzige, süße und fettreiche Produkte bei gleichzeitiger Mehrwertsteuer-Befreiung von Obst und Gemüse vorsieht. Eine Studie der Uni Hamburg belegte vor kurzem, dass dadurch Übergewicht in der Bevölkerung signifikant reduziert werden könne.

Handlungsbedarf will auch die neue Bundesregierung erkannt haben und nimmt das Thema Adipositas mit auf die Agenda. Im Koalitionsvertrag ist noch für 2018 die Erarbeitung eines Konzepts für eine „Nationale Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten“ festgelegt. Eine Steuer für zuckerhaltige Getränke lehnt Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) jedoch für Deutschland ab. Sie glaubt, das Thema Fehlernährung damit nicht in den Griff bekommen zu können.

Es bleibt also abzuwarten, wann und welche konkreten Maßnahmen durch die Bundesregierung folgen.

 

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Links zu den Studien: