BIHKF stellt neueste Arbeiten auf DKG-Jahrestagung vor

Unter dem Motto „Kardiologie 2018: Von der Grundlagenforschung zur Hochleistungsmedizin“ findet vom 4. bis 7. April 2018 in Mannheim die 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt. Über 8500 Teilnehmer aus 25 Ländern kommen bei dem größten Kardiologen-Kongress in Deutschland zusammen. Mitarbeiter des Bremer Instituts für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) der Stiftung Bremer Herzen sind gleich mit 10 Kongressbeiträgen vertreten und stellen u.a. neue interessante Auswertungen aus der IPP-Studie und dem Bremer Herzinfarktregister vor.

 


 

Welche Rolle spielt der Schulabschluss bei der Effektivität von Präventionsmaßnahmen nach einem Herzinfarkt?

Eine aktuelle Auswertung der Daten zur IPP-Studie (Intensives Langzeit Präventions Programm nach Herzinfarkt in Nordwestdeutschland) des Bremer Instituts für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) untersucht den Zusammenhang zwischen dem Schulabschluss eines Herzinfarktpatienten und den Effekten von präventiven Maßnahmen. Es ist in Studien gezeigt, dass der sozioökonomische Status eine Rolle spielt, wenn es um das Auftreten und den Langzeitverlauf von Herzinfarkten geht. Die Vermutung liegt nahe, dass der Schulabschluss auch eine wichtige Rolle bei Präventionsmaßnahmen nach einem Herzinfarkt spielt.

Mitarbeiter des BIHKF haben nun das Patientenkollektiv der randomisierten, multizentrischen IPP-Studie in drei Gruppen in Abhängigkeit des Schulabschlusses unterteilt (Hauptschulabschluss, Realschulabschluss und Abitur).

 

IPP – Intensives Langzeit Präventions Programm nach Herzinfarkt in Nordwestdeutschland

Die IPP-Studie untersuchte 2013-2017 die Effekte eines 12-monatigen intensiven Präventionsprogrammes im Vergleich zur Standardversorgung bei Patienten nach Herzinfarkt. Dabei wurde eine Gruppe von Herzinfarktpatienten entsprechend der aktuellen medizinischen Standards versorgt, während eine zweite Gruppe (IPP-Gruppe) eine intensive präventive Langzeitbetreuung mit Fortbildungen, Visiten und telemedizinischen Kontrollen der Risikofaktoren erhielt. Die Einstellung der Risikofaktoren erfasste man durch einen IPP-Präventions-Score, der sich aus den Faktoren Rauchen, LDL-Cholesterin, körperliche Aktivität, Blutdruck, BMI und Blutzuckereinstellung berechnet. Dabei entspricht der Wert 0 einer schlechten Einstellung der Risikofaktoren, während der Maximalwert 15 für eine leitliniengerechte Einstellung steht. Die Studie wies nach 12 Monaten eine hochsignifikante Verbesserung der kardiovaskulären Risikofaktoren durch IPP im Vergleich zur Standardversorgung nach.

 

Stärker ausgeprägte Risikofaktoren bei niedrigem Bildungsstand

Bei der Analyse der Schulabschlüsse zeigten sich zum Zeitpunkt der Infarkte signifikante Unterschiede in der Ausprägung der Risikofaktoren der Patienten. Die Risikofaktoren zur Zeit des Infarktes waren bei den Studienteilnehmern mit Haupt- und Realschulabschluss ausgeprägter.

 

Präventionsmaßnahmen insbesondere bei niedrigem Schulabschluss effektiv

Bereits die dreiwöchige Rehabilitation nach dem Krankenhausaufenthalt führte bei den Infarktpatienten zu einer deutlichen Verbesserung der Einstellung der Risikofaktoren. Durch die IPP-Maßnahmen konnte im zwölfmonatigen Verlauf eine weitere signifikante Verbesserung in allen drei Schulabschluss-Gruppen erzielt werden. Besonders bei den IPP-Teilnehmern mit Hauptschulabschluss, die insgesamt mit einer schlechteren Einstellung aller Risikofaktoren in die Präventionsmaßnahmen gestartet waren, zeigte sich eine eindrucksvolle Verbesserung der Risikofaktoren.

Die Daten unterstreichen die Bedeutung intensiver Langzeitprävention nach einem Herzinfarkt und zeigen, dass sie gerade auch bei niedrigerem Bildungsstand effektiv und essentiell sind.

 


 

5-Jahres-Outcome nach STEMI – Welche Herzinfarktpatienten haben den besten Langzeitverlauf?

Bislang gibt es nur wenige Studien, die den Langzeitverlauf nach einem Herzinfarkt bei konsekutiven Patienten untersuchen. Die Analyse der Langzeit-Mortalität in einem „real world“ Kollektiv von Infarktpatienten bietet daher wichtige Daten zur Risikostratifikation und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Forschergruppe am Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) hat nun Daten aus dem Bremer Herzinfarktregister analysiert, um Aussagen hinsichtlich des Langzeitverlaufs von Herzinfarktpatienten zu treffen.

 

 

Alternativer Text

Die DGK berichtet in der aktuellen Cardio News über die Ergebnisse.

Eine der wenigen Studien zum Langzeitverlauf nach Herzinfarkt

Im Bremer Herzinfarktregister werden seit 2006 alle Herzinfarkte aus Bremen und dem Umland erfasst. Die Datenbank des Registers umfasst weit über 8.000 Patienten. Für die Analyse des Langzeitverlaufs wurden nun die 5-Jahres-Nachbeobachtungen der Patienten ausgewertet, die von Januar 2006 bis Oktober 2012 wegen eines Herzinfarkts (ST-Hebungsinfarkt, STEMI) interventionell behandelt wurden.

Im Rahmen der Auswertung wurden 3736 Patienten untersucht, wobei das mittlere Alter 63,3 ± 13 Jahre betrug und 72,4 % der Infarktpatienten männlich waren. Bei fast allen Patienten (95,3 %) wurde in der Akuttherapie eine erfolgreiche Wiederöffnung des verschlossenen Herzgefäßes durch einen Kathetereingriff (PCI) durchgeführt. Die Akutsterblichkeit betrug 8,4 %. Nach 5 Jahren waren 21,3 % der Patienten verstorben; die MACCE-Rate (Tod, Reinfarkt, Schlaganfall) innerhalb von 5 Jahren betrug 29,6 %. Eine weitere Analyse ergab, dass das Patientenalter (Alter > 75 Jahre; Odds Ratio, OR: 4.4), Nierenschwäche (Kreatinin ≥ 2 mg/dl; OR: 3,4), Herzschwäche (Killip Klasse ≥ 3; OR: 3,4) und die Größe des Infarktes (OR: 2,4) die stärksten Vorhersagewerte für eine erhöhte Langzeitsterblichkeit waren.

Auffällig war, dass ein Body Mass Index von ≥ 30 kg/m² mit einer reduzierten Langzeit-Mortalität (OR: 0,6) einherging. Eine differenziertere Analyse zeigte jedoch, dass nur ein BMI zwischen 25 und 35 kg/m² mit einer niedrigeren 5-Jahres-Mortalität verbunden war, während bei einem BMI > 35 kg/m² keine signifikante Assoziation zur Mortalität bestand. Hingegen war ein BMI < 20 kg/m² mit einer signifikant erhöhten Sterblichkeit assoziiert.

 

Rasche Revaskularisation entscheidend

Als entscheidend für eine positive Langzeitprognose der Herzinfarktpatienten zeigte sich eine frühe Revaskularisation, also eine erfolgreiche Wiederöffnung verschlossener Gefäße mittels PCI (OR: 0,35). Einen positiven Einfluss hatte auch der Einsatz moderner Medikamente wie Prasugrel statt Clopidogrel (OR: 0,6).

In dieser wichtigen Studie zum 5-Jahres-Verlauf nach Herzinfarkt bei einer großen Zahl von Patienten konnte somit genau analysiert werden, wo die Probleme aber auch die Chancen bei einem Herzinfarkt liegen, wenn ein gutes Langzeitüberleben als Zielwert gewählt wird.