Untersuchung des BIHKF: Überlebenschancen von Herzinfarktpatienten bei kardiogenem Schock werden immer besser

Im klinischen Alltag sind Herzinfarktpatienten, die zudem einen kardiogenen Schock erleiden, eine Hochrisikogruppe. Bei dieser schwersten Form des Herzinfarkts ist das Herz akut nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen. Verstarben in den 1980er-Jahren noch bis zu 80 Prozent der Patienten mit kardiogenem Schock in den Krankenhäusern, hat sich die Prognose in den letzten Jahren immer weiter verbessert. Dies belegen aktuelle Auswertungen des Bremer Herzinfarktregisters am Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) der STIFTUNG BREMER HERZEN, die in der internationalen Fachzeitung Clinical Research in Cardiology publiziert wurden.

Im Bremer Herzinfarktregister werden Patienten mit akutem Herzinfarkt erfasst und später über einen Zeitraum von zehn Jahr nachverfolgt. Die Forschergruppe am BIHKF hat dafür die Daten von fast 8.000 Infarktpatienten aus den Jahren von 2006 bis 2016 untersucht – 981 dieser Patienten erlitten einen kardiogenen Schock. Ein Großteil der Infarktpatienten mit kardiogenem Schock war männlich (71 Prozent) und im hohen Alter (28 Prozent über 75 Jahre alt).

 

Sterblichkeit geht zurück

Die Sterblichkeit der Herzinfarktpatienten mit kardiogenem Schock im Krankenhaus betrug im gesamten Untersuchungszeitraum im Schnitt 37 Prozent, wobei vor allem in den letzten Jahren ein deutlicher Rückgang beobachtet werden konnte. Von 2006 bis 2009 betrug die Sterblichkeit nach einem Jahr 55 Prozent. Im Zeitraum 2010-2013 sank sie auf 50 Prozent und betrug in der Zeit 2014-2015 nur noch 43 Prozent.

 

Möglichst rasche Wiederöffnung verschlossener Herzgefäße entscheidend

Die verbesserten Überlebenschancen lassen sich durch eine frühe Revaskularisation (innerhalb von 12 Stunden) begründen, also dem raschen Wiederöffnen des verschlossenen Herzgefäßes durch einen Kathetereingriff, die bei 88 Prozent der Patienten durchgeführt wurde. Bei dieser Perkutane koronare Intervention (PCI) genannten Prozedur wird durch einen kleinen Schnitt in der Leiste ein Katheter in das betroffene Gefäß eingeführt, an dessen Spitze sich ein zusammengefalteter Ballon befindet. In der Engstelle aufgeblasen, lassen sich damit die Ablagerungen verdrängen und das Gefäß wieder frei machen. Um die betroffene Stelle weiter zu stabilisieren, wird zudem mit dem Ballonkatheter meist auch ein Stent eingesetzt. Dieses winzige engmaschige Gittergerüst, das durch Aufblasen des Ballons im Gefäß entfaltet wird, dient als Stütze und hält die behandelte Engstelle geweitet.

In der statistischen Analyse ging eine frühe Revaskularisation mit einem 50 Prozent geringeren Risiko einher, innerhalb eines Jahres zu versterben. Auch die häufigere Verwendung von medikamentenfreisetzenden Stens (drug eluting stent, DES) und die Verwendung moderner Medikamente (Prasugrel und Ticagrelor statt Clopidogrel) haben zu einem besseren Outcome für die Patienten beigetragen.

 

Frühe Revaskularisation als Therapiestrategie

Die aktuellen Daten verdeutlichen, wie entscheidend eine rechtzeitige PCI insbesondere bei Herzinfarktpatienten mit kardiogenem Schock ist. Es gibt nur wenige Studien zu dieser schwersten Form des Herzinfarkts. Durch das große Bremer Herzinfarktregister hat das BIHKF die Möglichkeit, auch diese eher seltenen, aber zuhöchst gefährdeten Patienten zu untersuchen und die Faktoren zu bestimmen, die die Überlebenschancen beeinflussen. So können hochrangig publizierte Daten die Behandlung von Patienten mit kardiogenem Schock verbessern.

 

Studie: Management and predictors of outcome in unselected patients with cardiogenic shock complicating acute ST-segment elevation myocardial infarction: results from the Bremen STEMI Registry
Backhaus, T., Fach, A., Schmucker, J. et al. Clin Res Cardiol (2017). https://doi.org/10.1007/s00392-017-1192-0