Mit gesunder Mehrwertsteuer Adipositas-Welle stoppen

Aktuelle Studien belegen, dass sich weltweit seit den 1980er-Jahren die Rate der Fettleibigkeit (Adipositas) in den meisten Ländern verdoppelt hat. Auch die Deutschen sind deutlich zu dick. Rund 59 % der Männer und 37 % der Frauen sind übergewichtig (BMI zwischen 25 und 30 kg/m²) und etwa jeder vierte Erwachsene ist fettleibig. Eine Adipositas liegt bei einem BMI von über 30 vor und ist ein großer Risikofaktor für eine Vielzahl weitverbreiteter Krankheiten wie z.B. Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus Typ-2 oder bestimmte Krebserkrankungen.

Eigentlich ist es einfach: Mit ausreichender Bewegung und vor allem gesunder Ernährung könnte der Einzelne einer ungesunden Gewichtszunahme entgegenwirken. Doch durch die ständige Verfügbarkeit hochkalorischer Angebote und teils sehr günstiger – jedoch sehr ungesunder – Lebensmittel ernähren sich viele Menschen zu unausgewogen. Ein Blick auf Zutatenliste und Nährwerttabelle zeigt auch schnell, dass bei vielen Produkten deutlich zu viel Zucker enthalten ist, oder als gesund geltende Lebensmittel gar nicht so gesund sind.

Der Wirtschaftswissenschaftler PD Dr. Tobias Effertz schlägt jetzt in einer von der Deutschen Adipositas Gesellschaft und anderen Gesundheitsorganisationen in Auftrag gegebenen Studie vor, die Mehrwertsteuer von Lebensmitteln nach deren Gesundheitswert festzulegen. Eine besondere Besteuerung soll die Rahmenbedingungen ändern und neue Anreize geben, sich für gesunde Lebensmittel zu entscheiden.

Vorgeschlagen wird das System „Ampel plus“ mit folgenden Steuersätzen:

  • Grün 0 %: Obst und Gemüse
  • Gelb 7 %: Normale Lebensmittel wie Nudeln, Milch oder Fleisch (der aktuelle MwSt.-Satz für Lebensmittel allgemein)
  • Rot 19 %: Produkte mit viel zugesetztem Zucker, Salz oder Fett wie Fertiggerichte, Chips oder Süßigkeiten

Die Steueranpassung soll auch Anreiz für die Lebensmittelindustrie sein, Rezepturen zu ändern und Fett- und Zuckeranteil zu reduzieren.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass mit der Änderung der Mehrwertsteuer nachhaltig eine Reduktion der Adipositasprävalenz sowie eine Senkung der Krankheitskosten im deutschen Gesundheitswesen erzielt werden können.

Hier gelangen Sie zur Studie „Die Auswirkungen der Besteuerung von Lebensmitteln auf Ernährungsverhalten, Körpergewicht und Gesundheitskosten in Deutschland“.