Mehr Infarkte und höhere Sterblichkeit in sozial benachteiligten Stadtteilen

Ein Schwerpunkt der Herz-Kreislaufforschung liegt auf der Untersuchung, welche Faktoren Einfluss auf die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen haben. Jetzt wurden die Ergebnisse einer Studie des Bremer Instituts für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) in dem internationalen Fachmagazin „BMC Cardiovascular Disorders“ veröffentlich, die sich mit dem Zusammenhang des sozialen Hintergrunds und dem Aufkommen von Herzinfarkten in Bremen beschäftigen. Ziel der Studie war es, eine mögliche Verbindung zwischen der sozialen Stellung verschiedener Bremer Stadtteile und ihrer Infarktrate zu ermitteln. Die Arbeit zeigt, dass in sozial benachteiligten Stadtgebieten mehr Menschen einen Herzinfarkt erleiden, als in anderen Stadtteilen, und auch der Langzeitverlauf schlechter ist.

Die Forschergruppe hat dafür Daten aus dem Bremer Herzinfarktregister aus den Jahren 2006 bis 2015 in Hinblick auf den Sozialstatus analysiert. Im Bremer Herzinfarktregister werden Patienten mit akutem Herzinfarkt bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus erfasst und auch nachverfolgt. Für die Studie wurden die Daten von 3.462 Herzinfarkt-Patienten anhand der Postleitzahl und Anschrift nach dem Bremer Benachteiligungsindex in vier Gruppen eingeteilt. Der Benachteiligungsindex berücksichtigt Kriterien wie Arbeitslosigkeit oder Beschäftigung, Migrationshintergrund, Schulbildung, Kriminalität, Wahlbeteiligung oder Geschlecht und Alter der Bevölkerung.

Mit zunehmender sozialer Benachteiligung der Stadtteile konnte ein signifikanter Anstieg des Herzinfarkt-Aufkommens beobachtet werden: In den sozial schwächer gestellten Gebieten ereigneten sich 56 Prozent mehr Infarkte. Auch waren diese Herzinfarkt-Patienten durchschnittlich jünger als die mit einem höheren Sozialstatus, hatten einen höheren Raucheranteil und waren häufiger übergewichtig. Obwohl sich die Behandlungsqualität bei unterschiedlichem Sozialstatus nicht unterschied, traten bei Herzinfarkt-Patienten aus sozial benachteiligten Stadtgebieten innerhalb von fünf Jahren mehr schwere klinische Ereignisse auf (z.B. erneuter Infarkt, Bypass-OP oder auch Tod). Die Ungleichheit zeigte sich besonders für jüngere Herzinfarkt-Patienten (unter 50 Jahren) aus sozial schwachen Stadtteilen, für die das Risiko für das Auftreten eines schwerwiegenden Ereignisses innerhalb von 5 Jahren nach Infarkt im Vergleich zu Bewohner der reichsten Stadtteile Bremen fünffach erhöht war.

“Die Ergebnisse sind einerseits eine Bestätigung für das in den Kliniken tätige medizinische Personal, da gezeigt werden konnte, dass die soziale Herkunft keinen Einfluss auf die Qualität der Akutversorgung hat”, erklärt Dr. Johannes Schmucker vom Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF). “Andererseits ist es jedoch alarmierend, dass Patienten aus sozial schwachen Stadtgebieten im Langezeitverlauf dann trotzdem deutlich schlechter abschneiden.”

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Wichtigkeit von Primär- und Sekundärprävention insbesondere in sozialschwachen Stadtteilen. Ein besonderes Angebot bietet die Stiftung Bremer Herzen mit den Bremer Herztagen, die am 19. und 20. Oktober 2017 in der Vahr und in Huchting stattfinden. Mit den großen Aktionstagen im Einkaufszentrum Berliner Freiheit (19. Oktober) und im Roland-Center (20. Oktober) bietet die Stiftung Bremer Herzen kostenlose Kardio-Check-ups und Beratungsangebote rund ums Herz an.

Hier finden Sie die Veröffentlichung der Studie.