Koronare Herzkrankheit: Gesunder Lebensstil reduziert genetisch erhöhtes Risiko um fast die Hälfte

Es ist weitläufig bekannt, dass ein gesunder Lebensstil das Risiko einer koronaren Herzkrankheit (KHK) reduzieren kann. Aber wie steht es um Patienten mit einem genetisch erhöhten kardiovaskulären Risiko? Wie stark kann ein gesunder Lebensstil ein erhöhtes genetisches KHK-Risiko ausgleichen? Eine Studie mit über 55.000 Teilnehmern widmete sich dieser Fragestellung und belegt, dass sich ein erhöhtes angeborenes kardiovaskuläres Risiko durch einen gesunden Lebensstil in hohem Maße kompensieren lässt (Khera AV, Emdin CA, Drake I, et al.: Genetic risk, adherence to a healthy lifestyle, and coronary disease. N Engl J Med 2016; 375: 2349–58).

Dr. med. Harm Wienbergen, Leiter des Bremer Institutes für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF), kommentiert in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts die Ergebnisse der Studie: „Die Studie belegt, dass genetische Risiko-Scores weitgehend unabhängig von traditionellen Risikofaktoren koronare Ereignisse vorhersagen können.“

Allerdings müsse ein erhöhtes genetisches Risiko nicht als „schicksalshaft“ empfunden werden, denn die Studie belege, dass ein gesunder Lebensstil bei erhöhter genetischer Prädisposition das KHK-Risiko um fast 50 Prozent senken könne. „Ein gesunder Lebensstil führte in der Studie unabhängig von der genetischen Vorbelastung zu einer Risikoreduktion“, so Wienbergen weiter.

Die Daten unterstreichen die Bedeutung von Lebensstiländerungen in der Prävention der KHK. Wie in den neuen europäischen Präventionsleitlinien gefordert, sollten öffentliche Maßnahmen durch Politik, Medien und Bildungssysteme die Menschen unterstützen, gesundheitsschädigendes Verhalten wie Rauchen und ungesunde Ernährung zu vermeiden oder das Verhalten zu ändern. Dabei ist es auch wichtig, durch langfristige Präventionsprogramme die Nachhaltigkeit von Lebensstiländerungen zu fördern.

Mehr dazu:
Deutsches Ärzteblatt | Jg. 114 | Heft 3 | 20. Januar 2017