Nach dem Herzinfarkt: Bewegung schützt und heilt

Kleine Ziele sind der erste Schritt zu einem gesünderen Leben mit mehr Bewegung. Besonders Personen, die im Beruf kaum körperlich aktiv sind, sollten sich einen entsprechenden Ausgleich suchen. Bewegung heißt nicht unbedingt gleich Sport. Niemand muss sich vornehmen, in einem Jahr einen Marathon laufen zu können, um sein Bewegungsdefizit aktiv anzugehen. Zunächst gilt es, den Körper im Alltag ein wenig mehr zu fordern.

Gönnen Sie sich zwei-, dreimal die Woche einen kleinen Spaziergang oder holen Sie Ihre Brötchen mal mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. Welche Ziele Sie sich selbst setzen, ist natürlich auch davon abhängig, wie es derzeit überhaupt um Ihre Leistungsfähigkeit bestellt ist.

Nach einem Herzinfarkt kann Ihre persönliche Leistungsschwelle durchaus sehr niedrig sein. Dann wäre für Sie vielleicht ein Ziel: „In vier Wochen möchte ich bis zum Bäcker laufen können oder zwei Etagen per Treppe bewältigen, ohne zwischendurch stehen bleiben zu müssen.“ Passen Sie Ihre Ziele Ihrer Befindlichkeit an. Vermeiden Sie jede Überanstrengung, die tut weder Ihrem Herzen gut noch Ihrer Motivation. Besprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt, welche Art von Bewegung für Sie infrage kommt und welche Zielvorgaben für Sie realistisch erreichbar sind.

 

Den Risikofaktoren zu Leibe rücken

Nahezu alle Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit werden durch ein adäquates Maß an Bewegung gemindert. Der Effekt auf jeden einzelnen Faktor ist zwar moderat, doch das Zusammenspiel aller Änderungen führt zu einer erheblichen Risikominimierung.

Klinische Studien konnten zeigen, dass körperliche Aktivität die Sterblichkeit reduziert und die Belastbarkeit steigert. Das genaue statistische Ausmaß der individuellen Risikoreduktion hängt von vielen Faktoren ab (hinsichtlich potenzieller Herzbeschwerden). Insgesamt konnte aber nachgewiesen werden, dass Bewegung eine Abnahme der Sterblichkeit von Herzpatienten bewirkt.

Wichtig ist, dass es sich dabei um Ausdauerbewegung handelt, die sogenannte aerobe Aktivität. Darunter versteht man eine körperliche Belastung von mindestens 10 Minuten Dauer, bei der es zu keiner übersteigerten Anhäufung von Lactat (Milchsäure) im Blut kommt. Lactat ist ein durch die Energiebereitstellung anfallendes Stoffwechselprodukt.

Für Herzpatienten empfiehlt sich ein allgemeines aerobes Ausdauertraining verschiedener Ausprägung. Sinnvoll sind Gehen, Nordic Walking, Laufen (Jogging), Fahrradergometer-Training, Ausdauertraining an Kardiogeräten (Laufband, Stepper, Crosstrainer, Rudertrainer etc.), Radfahren, Schwimmen, Inlineskaten, Skilanglauf und Rudern.

Dabei sind die in dieser Aufzählung am Anfang genannten Sportarten für die meisten Herzpatienten am besten geeignet, da sie einen hohen kardiovaskulären Trainingseffekt haben, einfach auszuführen sind und ein geringes Risiko für Verletzungen beinhalten. Besonders bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit hat sich ein Training auf dem Fahrradergometer bewährt, da hierbei die Intensität exakt eingestellt werden kann.

Auswirkungen körperlicher Aktivität

  • Senkung des Blutdrucks, Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes. Die Schädigung der Gefäßinnenhaut (Endothel) wird repariert.
  • Senkung des Blutzuckerspiegels
  • Beschleunigung der Fettverbrennung. Dadurch geht das Abnehmen schneller vonstatten.
  • Senkung des „schlechten“ LDL-Cholesterins und Steigerung des „guten“ HDL-Cholesterins. Das wirkt einem Fortschreiten der Atherosklerose entgegen.
  • Stärkung des Immunsystems durch eine vermehrte Bildung weißer Blutkörperchen.

 

Sportarten, die kurzfristig einen hohen Kraftaufwand erfordern wie etwa Gewichtheben oder Bodybuilding sind für Herzpatienten nicht geeignet.

Dagegen wird ein sanftes, dynamisches Krafttraining unter ärztlicher Anleitung allen Herzpatienten empfohlen. Dies gilt insbesondere, wenn sie an einer generellen Leistungsschwäche, an durch die Krankheit oder den Krankenhausaufenthalt bedingter Muskelschwäche oder gar Muskelschwund sowie unter orthopädischen Begleiterkrankungen leiden. Die Patienten sollen mobil bleiben sowie ihre Lebensqualität und Fitness gesteigert werden. Für ein solches Training ist im Gegensatz zum Ausdauertraining keine Mindestbelastbarkeit erforderlich. Das dynamische Krafttraining kann an Trainingsmaschinen, mit Geräten wie zum Beispiel Hanteln oder Therabändern sowie mit dem Eigengewicht des Körpers erfolgen. Ziel dieser Trainingstherapie ist es, Kraft- und Muskelverluste auszugleichen sowie Muskel- und Skelett-Erkrankungen vorzubeugen.

Mit der Bewegungstherapie haben Sie die Möglichkeit, aktiv etwas gegen Ihre Krankheit zu tun. Sie sind nicht einfach nur Patient, mit dem etwas „gemacht wird“ – Sie tun selbst etwas für sich und Ihre Gesundheit.