Studie: Werbung beeinflusst Kalorienaufnahme bei Kindern

Werbung zieht – das gilt besonders bei speziell auf Kinder ausgerichtete Anzeigen und Werbespots. Eine aktuelle Studie zeigt, dass schon kurze Werbeeinblendungen Kinder dazu bringen, mehr Kalorien pro Tag zu sich nehmen. Begrüßenswert sind daher aktuelle Forderungen der Verbraucherschutzministerkonferenz gegen an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel vorzugehen. Ein besonderer Schutz Minderjähriger vor gesundheitsschädlicher Beeinflussung durch Werbung ist längst überfällig.

 

Adipositas – ein globales Problem

Die Häufigkeit von Adipositas (Fettleibigkeit; BMI ≥ 30 kg/m²) hat sich weltweit in den letzten Jahrzehnten zu einem globalen Problem entwickelt und ist ein zentrales Thema für Gesundheitsförderung und Prävention. Allein in Deutschland ist etwa jeder vierte Erwachsene adipös und bereits 15,4% der 3- bis 17-Jährigen sind übergewichtig, fast 6% sind adipös. Übergewicht und Fehlernährung zählen neben z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerte, Bewegungsmangel und Rauchen zu den gravierendsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

 

Werbung steigert Kalorienaufnahme

Eine Studie der Universitäten Sydney, Liverpool und Wollong hat jetzt untersucht, wie bereits kurze Werbeeinblendungen die Kalorienaufnahme von Kindern beeinflussen. Dafür wurden in Feriencamps 160 Kinder Feriencamps zufällig in vier Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe Kinder sah einen kurzen Zeichentrickfilm mit Werbeunterbrechungen für ungesunde Lebensmittel. Eine zweite Gruppe spielte zusätzlich noch ein kurzes Online-Spiel mit ähnlichen Werbeeinblendungen. Die anderen beiden Gruppen konsumierten die gleichen Medien, sahen dabei jedoch keine Werbung für Lebensmittel. Beim Frühstück, Mittagessen und einer Snackpause im Anschluss an den Medienkonsum wurde gemessen, wie viel die Kinder gegessen haben. Kinder, die die kurzen Werbeeinblendungen für ungesunde Lebensmittel sahen, aßen im Schnitt 46 Kilokalorien mehr als die Kinder der beiden Kontrollgruppen. Vor allem bei bereits übergewichtigen Kindern war dieser Effekt noch ausgeprägter: sie aßen durchschnittlich 95 Kilokalorien mehr.

Werden genau die in der Werbung beworbenen Lebensmittel aufgetischt, verstärkt sich der Effekt noch. Dies belegt eine weitere Studie mit 60 Vorschulkindern aus den USA. Nach Werbeeinblendungen für bestimmte Lebensmittel konsumierten die Kinder 30 Prozent mehr davon als eine andere Gruppe ohne diese Werbung.

 

Bundesregierung in der Pflicht

Die Stiftung Bremer Herzen sieht hier großen Handlungsbedarf bei der Bundesregierung. Die Zahlen der übergewichtigen oder fettleibigen Kinder sind alarmierend. Auch die Politik ist in der Pflicht, mit geeigneten Maßnahmen den Anstieg ernährungsmitbedingter Krankheiten wie Adipositas oder auch Diabetes mellitus zu bremsen. Das beinhaltet beispielsweise beim an Kinder gerichteten Marketing von unausgewogenen Lebensmitteln regulierend einzugreifen.

Erst kürzlich kam auch die Verbraucherschutzministerkonferenz zu dem Schluss, dass gesetzliche Regulierung und Selbstregulierung der Lebensmittelindustrie und Werbewirtschaft nicht ausreichen, um Kinder und Jugendliche vor gesundheitsschädlicher Beeinflussung zu schützen. Die Bundesregierung und Bundesverbraucherschutzministerin Katarina Barley sind aufgefordert zu prüfen, welche rechtlichen Maßnahmen gegen an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel auf nationaler Ebene ergriffen werden können.

Die Stiftung Bremer Herzen hält Aufklärung zu einer gesunden Lebensweise bereits im Kindesalter für einen wichtigen Bestandteil der Prävention von Herzerkrankungen. Deshalb versucht sie durch gezielte Projekte wie Hallo. Hier spricht dein Herz oder Aktionstage an Schulen Kinder und Jugendliche zu motivieren, sich gesund zu ernähren, herzgesund zu bewegen und nicht zu rauchen.

 

Literatur
  1. Norman J et al: Sustained impact of energy-dense TV and online food advertising on children’s dietary intake. Int J Behav Nutr Phys Act. 2018; 15: 37. https://doi.org/10.1186/s12966-018-0672-6
  2. Emond J et al: Randomized Exposure to Food Advertisements and Eating in the Absence of Hunger Among Preschoolers. Pediatrics. 2016 Dec; 138(6): e20162361. https://doi.org/10.1542/peds.2016-2361

 

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