Mit PCSK9-Hemmern LDL-Cholesterin senken

Erhöhte LDL-Cholesterinwerte sind ein maßgeblicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit dem Einsatz von PCSK9-Hemmern bietet sich ein neuer Therapieansatz zur Cholesterinsenkung. Besonders profitieren können hiervon Patienten, bei denen andere lipidsenkende Therapien nicht ausreichen.

Über das LDL (Low Density Lipoprotein) wird das Cholesterin von der Leber aus in den Blutkreislauf transportiert und ins Körpergewebe gebracht. Befindet sich zu viel LDL-Cholesterin im Blut, bilden sich Ablagerungen an den Gefäßinnenwände und das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt. Aktuelle Leitlinien schreiben für Menschen mit hohem kardiovaskulärem Risiko für das LDL-Cholesterin Zielwerte von deutlich unter 70 mg/dl vor. Bei mäßigem oder niedrigem Risiko sollte der Wert unter 100 mg/dl bzw. unter 115 mg/dl liegen. Insgesamt ist der Zielwert abhängig vom individuellen kardiovaskulären Risiko des Patienten.

Da der Körper den Großteil des Cholesterins selbst herstellt und nur rund 15 Prozent über die Nahrung aufgenommen werden, können erhöhte LDL-Werte nur zu einem Teil durch Lebensstiländerungen (Ernährung, Bewegung) reduziert werden. Um dennoch die Zielwerte bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko zu erreichen, werden Statine eingesetzt. Problematisch gestaltet sich die Behandlung von Patienten, die Statine nicht vertragen oder bei denen auch unter einer Hochdosistherapie mit einem Statin und entsprechenden Lebensumstellungen allein die Zielwerte nicht erreicht werden können.

 

PCSK9-Antikörperinjektion zur Cholesterinsenkung

Mit PCSK9-Antikörpern gibt es für Hochrisiko-Patienten, Menschen mit einer familiärer Hypercholesterinämie oder Statin-Intoleranz eine neue Wirkstoffklasse, um den LDL-Wert wesentlich stärker zu senken.

Das PCSK9 (Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9) ist ein Protein, das den Abbauprozess des LDL-Cholesterins über die Leber beeinflusst. PCSK9-Proteine führen zu einem verstärkten Abbau der LDL-Rezeptoren, die dann für den Abbau des LDL-Cholesterins nicht mehr zur Verfügung stehen. In der Folge steigt die LDL-Konzentration im Blut.

Für Patienten mit sehr hohen Cholesterinwerten bieten sich PCSK9-Hemmer an. Diese Antikörper werden wie Insulin unter die Haut gespritzt und können das in der Leber gebildete PCSK9 abfangen. Dadurch ist es dem Körper möglich, mehr LDL-Rezeptoren wiederzuverwerten, was zu einer drastischen Verringerung des LDL-Cholesterins im Körper führt. In Kombination mit der Einnahme von Statinen sind effektive Cholesterin-Senkungen auf Werte um 30 mg/dl möglich.

 

Neueste Studien belegen klinische Wirksamkeit

Neben der effektiven Minderung des Cholesterinwerts belegen neueste Studien den PSCK9-Hemmern auch die signifikante Senkung des Risikos kardiovaskulärer Ereignisse. Die 2017 veröffentlichte FOURIER-Studie untersuchte dazu den Einsatz des PCSK9-Hemmers Evolocumab. Im Vergleich zu Placebo reduzierte das Medikament den primären Endpunkt (Kombination aus Herzinfarkt, Schlaganfall, Hospitalisation wegen Verschlechterung einer Angina pectoris, Revaskularisation oder kardiovaskulärer Tod) um 15 Prozent. Auch der zweite PCSK9-Antikörper auf dem Markt, Alirocumab, reduziert die Rate kardiovaskulärer Komplikationen und verbessert die Überlebenschancen, wie die ganz aktuelle ODYSSEY OUTCOME-Studie herausfand, die im März 2018 veröffentlicht wurde.

Aufgrund des noch sehr hohen Preises der Medikamente bleibt jedoch individuell abzuwägen, welche Patienten für PCSK9-Hemmer in Frage kommen, so dass sich die Anwendung zunächst auf kardiovaskuläre Hochrisikopatienten beschränken wird.

Insgesamt zeigt sich aber, dass die Behandlungsmöglichkeiten im Bereich der Fettstoffwechselstörungen und Vorbeugung von Herzinfarkten beeindruckend durch die Entwicklung von PCSK9-Hemmern vorankommen.

 

 

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